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Architektur & Bau Forum 06/15, S. 16


 

Die Lichtbranche befindet sich mitten in einem disruptiven Innovationsprozess. Das Modell Glühlampe wurde in Europa per Dekret aus dem Markt verabschiedet, die Halogenlampe darf noch bis 2018 bleiben. LEDs treten an ihre Stelle. Ein spannender Moment, für Wirtschaft und Architektur gleichermaßen. 

 

DIE PLAYER WERDEN NEU GEWÜRFELT, DAS IDEENPORTAL IST GEÖFFNET, LICHT UND BELEUCHTUNG WIRD NOCHMALS NEU ERFORSCHT, MUSS NOCHMALS NEU ERLERNT WERDEN.

 

Hintergrund für diese Rochade bildet das Kioto-Protokoll (1997). Bis 2050 sollen 50 Prozent der welt-weiten CO2-Emissionen eingespart werden. Entwicklungs-länder sind von Maßnahmen befreit, so ergibt sich ein rechnerisches Soll von 80 Prozent für die Industrie-länder. Das ist viel! Und die Bauwirtschaft hält einen maßgeblichen Anteil von zirka 45 Prozent aller CO2-Emissionen. Das Bauen wird sich insgesamt einem radikalen Innovationsprozess unterwerfen müssen. Vorerst werden Maßnahmen schrittweise und sanft, entsprechend ihrer wirtschaftlichen und politischen Durchführbarkeit,

spürbar. Wie eben die Tendenz, den Energieverbrauch für Beleuchtungen gegen null zu treiben: LED – OLED – Tageslicht.

 

LEDS WERDEN DEN MARKT BEHERRSCHEN. 

 

Die flachen Leuchtsysteme lassen sich punktförmig, linear oder flächig unkompliziert in Bauteile integrieren. Licht muss nicht mehr als Lampe verstanden werden. OWA beispielsweise hat dazu mit Hadi Teherani eine Design-linie für ihre Akustik-Licht-Decken erarbeitet.

Lightglass bietet einschaltbare Glasflächen. Sie könnten künftig etwa als Dachflächenfenster die Räume tagsüber belichten und nachts beleuchten. Der Trockenbau bietet neue Elemente wie die Lichtfuge – als Pendant zur bisherigen Schattenfuge. Und nachdem auch die Bauteilkomponenten neu definiert sind, betreten auch Komponentenhersteller nun mit eigenen Leuchten den Markt: Swarovski etwa, die mit ihrem Tochterunternehmen

Swareflex wohl im Bereich der Verkehrsbeleuchtungen tätig war, bietet nun, basierend auf den Vorteilen optisch sehr reiner Gläser, eine LED-Produktgruppe an, deren Einsatz-

gebiet von Shop-Ausstattung über Parkhausbeleuchtung bis hin zu Outdoor-Systemen reicht.

 

MARKTFÜHREND IM BEREICH DER INNENRAUMBELEUCHTUNG MIT LEDS IST ALLERDINGS DAS MITTELSTÄNDISCHE STUTTGARTER UNTERNEHMEN NIMBUS GROUP.

 

Inhaber Dietrich F. Brennenstuhl, studierter Architekt, setzte schon sehr früh auf die Halbleitertechnologie. Frei von Identitätszwängen, konnten sich in dem jungen Unternehmen LED-Design und -Technik in einem Miteinander entwickeln. Die Corporate Identity des Unternehmens liegt daher heute unverkennbar im Design als Spiegel des gesammelten Know-hows. Mit bereits mehr als 8.000 realisierten LED-Projekten ist Nimbus allen anderen um einiges voraus.

 

VON DEN ETABLIERTEN LEUCHTENHERSTELLERN IST ES ERCO, DER MIT 2015 ALS ERSTER UND EINZIGER BISLANG DIE PRODUKTION AUSSCHLIESSLICH AUF LEDS UMGESTELLT HAT.

 

Erco verhielt sich lange Zeit sehr konservativ, beobachtete still, um 2011 eine gänzlich neue LED-Produktfamilie auf den Markt zu bringen. Hier wurden keine vorhandenen Produkte mit LEDs bestückt, sondern in der Designabteilung alles nochmal neu entworfen. Das Einsparungspotenzial einer LED-Ausstattung gegenüber bisheriger Systeme liegt zwischen null und 90 Prozent. Ein 50-W-Halogen-Spot kann durch einen 6-W-LED-Spot ersetzt werden, während die jüngste Generation der Leuchtstoffröhren (T16) in der Energieeffizienz nicht zu verbessern sind, wohl aber in Lebenserwartung und Gestaltbarkeit des Lichts. In diesen beiden Punkten liegt auch die Essenz dessen, was beim Einbau eines LED-Systems zu beachten ist: Es gibt kein Nachjustieren einer Beleuchtung mit schwächeren oder stärkeren Leuchtmitteln, gleichzeitig sind die Leuchten für einen Einsatz von zirka 20 Jahren ausgerichtet. Die Lichtplanung trägt eine größere Verantwortung.

 

Hinter den LEDs drängelt bereits die nächste Innovation, die OLED, um einen gleichwertigen Platz im vorderen Feld.

 

BEI DEN OLEDS SCHEINT ES BEI DEN ANBIETERN EINEN KONSENS BEZÜGLICH POTENZIAL UND ZUKUNFT ZU GEBEN: LEDS WERDEN DAS PUNKTFÖRMIGE LICHT ERSETZEN, OLEDS DAS FLÄCHIGE.

 

Auffallend mutig präsentierte das Schweizer Unternehmen Ribag auf der Light + Building 2014 in Frankfurt einen nur mit OLEDs bestückten Messestand. Oviso nennt sich diese Leuchtenfamilie. Sie wurde bereits mehrfach mit Innovationspreisen ausgezeichnet und darf als Vorreiterin vermutlich schon heute als Designklassiker verstanden werden. Die OLEDs sind blendfrei, geben ein warmes, komfortables Licht bei 3.000 Kelvin, haben keine Hitzeentwicklung und sind nur sieben Millimeter flach.

 

BEI EINER NUTZLEBENSDAUER VON 40.000 STUNDEN (IM VERGLEICH ZU 50.000 H EINER LED) IST NUN AUCH EINE DER GROSSEN SCHWACHSTELLEN DER OLEDS SO GUT WIE BEHOBEN. 

 

Der noch immer hohe Preis und die vorerst beschränkten Formate bleiben ein Nachteil, den wohl die Zukunft aber beheben wird.

 

Ebenfalls zukunftsträchtig sind die jüngsten Erkenntnisse aus dem Bereich der Tageslichttechnologie. Alanod ist hier als Hersteller spezieller Hochglanzbleche engagiert, den Energiebedarf nochmals drastisch zu verringern. Bis zu 98 Prozent Lichtgesamtreflexion leisten ihre Premium-Bleche Miro-Silver. Mit Bartenbach als Forschungspartner werden nebst Sonderlösungen auch Systeme erarbeitet, die als Tageslichtkuppeln, Lighttubes oder Lichtleitsysteme in den Handel kommen. Die Energieersparnisse sind vor allem bei Großprojekten beachtlich!

 

BEIM CHANGI AIRPORT IN  SINGAPORE (2008) ERGEBEN SICH AUS DEM EINSATZ VON SKYLIGHTS FÜR TAGES- UND KUNSTLICHT JÄHRLICHE EINSPARUNGEN VON DREI MILLIONEN KWH. DAS ENTSPRICHT UMGERECHNET DEN CO2-EMISSIONEN VON ZIRKA 800 PKWS PRO JAHR.

 

Für den urbanen Raum im Speziellen arbeitet die Forschungsgruppe um Alanod, Bartenbach und Amag an einer Fassadenlösung für Lichthöfe, die das Sonnenlicht bis ins Erdgeschoß leiten soll. Eventuell ergibt sich daraus ein Revival des Lichthofs auch für den kontemporären Wohnbau. 

 

EGAL OB LED, OLED ODER TAGESLICHT, DIE TENDENZEN DER LICHTBRANCHE SIND MAXIMAL ENERGIEEFFIZIENT AUSGERICHTET UND SOMIT FÜR EINE ZUKUNFTSTAUGLICHE, WERT- UND NACHHALTIGE ARCHITEKTUR UNABDINGBAR.


 

 

 

KONTAKTE

 

HERSTELLERINNEN / ANBIETERINNEN: 

 

OWA Odenwald Faserplattenwerk GmbH;  Dr.-F.-A.-Freundt-Straße 3;  D-63916 Amorbach; +49 93 73201-171; www.owa.de; www.owa-ceilings.com


 

 

LightGlass Technology GmbH; Heiligenstädterstraße 145/15/10; A-1190 Wien; +43 (1) 947 59 06; welcome@lightglass.net; www.lightglass.net


 

 

SWAREFLEX GmbH
; Josef-Heiss-Straße 1; A-6134 Vomp; +43 5242 5002463; wiebke.kuester@swarovski.com; www.swareflex.com


 

 

Nimbus Group GmbH; Sieglestraße 41; D-70469 Stuttgart; +49 711 633014-0; ‘Hr. Petri / Fa. Nimbus Group GmbH’ f.petri@nimbus-group.com; www.nimbus-group.com


  

ERCO Lighting GmbH; Engerthstrasse 151/Loft e.6;A-1020 Wien; +43 1 798 84940; info.at@erco.com; www.erco.com


 

 

RIBAG Licht AG
; Kanalstrasse 18; CH-5745 Safenwil
; +41 62 7379010; www.ribag.com


 

 

ALANOD GmbH & Co. KG; Egerstr. 12; D-58256 Ennepetal; +49 2333 986 500; www.alanod.com; www.alanod-solar.com


 

 

SAVE THE DATE: DIE RIBAG LICHT AG ZEIGT AM 23. NOVEMBER IM OFROOM EINE LICHT UND SOUND INSTALLATION MIT DEN OVISO OLEDS.

 

OWA Odenwald Faserplattenwerk GmbH

 

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OWAconsult® – Trapeze, Design: Hadi Teherani, Bauteilintegriertes Lichtdesign


 

 

Lightglass Technology GmbH

 

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ALED von Lightglass – Flächenlicht für Architektur, Licht und transparente Bauteile


 

 

SWAREFLEX GmbH


 

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Swarolens S02. Aus Swarowski-Spezialglas gefertigt, sorgt diese Linse für hochwertige

symmetrische Lichtverteilung.


 

Nimbus Group GmbH

 

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Modul Q Pendelleuchten, Bene AG, Wien, Planung: Rataplan – Architektur ZT GmbH, Wien / Solid Architecture, Wien, ©Werner Huthmacher


 

ERCO Lighting GmbH

 

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ERCO, Produktionsumstellung auf 100% LED mit Beginn 2015


 

 

RIBAG Licht AG 

 

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OVISO, eine erste OLED Leuchtenfamilie bestehend aus Pendel-, Aufbau-, Wand- und Tischleuchten mit den nur 7 mm flachen OLEDs. 


 

ALANOD GmbH & Co. KG

 

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Lightpipe, Bartenbach Lichtakademie Besprechungsraum, mit Alanod MIRO Blechen

 

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Skylights, Tageslicht und Kunstlicht, Changi Airport, mit Alanod MIRO Blechen.