MATERIAL FÜR DIE ZUKUNFT – EIN AUSSERGEWÖHNLICHER VORTRAGSABEND IN NENZING

Nenzing-Titelbild

Artikel erschienen in Marktgemeinde Nenzing – Bürgermeister Mitteilung, 12/15. S. 14-15


 

“I BI VO GURTIS”

Mit diesem Bekenntnis verschaffte sich die in Wien lebende Christine Bärnthaler im Ramschwagsaal in Nenzing am 16. November Gehör vor zirka 70 Gästen, um das Mikrofon für freundlich begrüßende Worte an Herrn Bürgermeister Florian Kasseroler zu übergeben. Vize- bürgermeister Herbert Greußing und Edwin Gaßner vom Bauamt Nenzing saßen im Publikum. Schon zum zweiten Mal kooperiert Christine Bärnthaler mit ihrer Heimat- gemeinde und dem e5 Ausschuss in dem Veranstaltungs- format „MATERIAL FÜR DIE ZUKUNFT“. Auch den Aktivitäten und Zielen der Plattform „Zukunftsorte“, in der Nenzing einen Platz im Netzwerk innovativer Gemeinden Österreichs einnimmt, fühlt sich Christine Bärnthaler nahe. Die „Ausheimische“ bringt ein Stück dessen, was sie lebt und arbeitet in einem Kurzbesuch zurück nach Nenzing,

 

Christine Bärnthaler betreibt in Wien den OFROOM, eine Innovations Agentur für Architektur. Als ausgebildete Architektin mit Freude an Kommunikation nimmt sie eine Position zwischen Industrie und Architektur ein und vernetzt die Player. Kontinuierlich werden neue Materialien und Produkte für Architektur von ihr recherchiert und bewertet. Zukunftsweisendes wird in Vortragsabenden, Publikationen oder in Ausstellungen vorgestellt. Eine permanente Anlaufstelle zum Schmökern im Pool neuer Materialien oder zur raschen Materialberatung bildet ihre OFROOM Material-­‐Galerie. So gelangen Innovationen rascher und direkter zu den Entscheidungsträgern der Architektur. Die Fassaden des Wiener Steirerecks von PPAG Architekten oder des Chalet Möller von Architekt Martin Summer (geb. in Frastanz) sind Beispiele von Material-­Erstanwendungen entstanden durch die Arbeit von Christine Bärnthaler.

 

In Nenzing gastiert sie mit dem Vortragsformat „MATERIAL FÜR DIE ZUKUNFT“. Ein sehr spezielles Format, das manch Vortragenden vor eine besondere Herausforderung stellt. 20 Folien dürfen pro Material- vorstellung nur gezeigt werden. Die Vorträge sollen sich auf das Wichtigste konzentrieren. Und jede Folie ist automatisch auf eine Anzeigezeit von 20 Sekunden eingestellt. Ein Vortrag dauert also exakt 6 Minuten und 40 Sekunden. Fragen dürfen während der Vorträge nicht gestellt werden. 8 Material- vorstellungen, wie sie am Montag Abend stattfanden, sind so in einer Stunde präsentiert. Die Aufmerksam- keit im Publikum ist aufgrund der schnell wechselnden Themen und Sprecher über die gesamte Dauer hoch. Nach den Vorträgen treten die Besucher direkt in Kontakt mit den Vortragenden und klären, auf Augenhöhe mit Geschäftsführern, Produktmanagern oder Marketing- managern, was an Fragen während des Zuhörens angefallen ist. So entsteht beides: eine konzentrierte Wissensvermittlung und ein persönlicher Kontakt. Christine Bärnthaler betreibt diese Vortragsreihe in Wien schon seit 5 Jahren mit großem Erfolg. Auch in Vorarlberg möchte sie künftig zwei Mal jährlich Innovationen mit dieser Vortragsreihe vorstellen. Die Resonanzen waren sehr positiv und der Standort Nenzing – als innovationsfreudige, sozialengagierte und energiebewusste Industriegemeinde – scheint gut gewählt, auch wenn Nenzing angeblich für die Unterländer doch etwas entlegen sei. Gemessen an den Distanzen, die von den internationalen Sprechern zurück gelegt werden, können die Ländle Kilometer jedoch kein Argument sein: Thomas Schönbichler reiste aus Wien an. Er stellte die Entwicklungen zum Isolationsbeton vor, wie er am Haus von Daniela Tomaselli (Architektin und Bauherrin) in Nenzing bereits zur Anwendung gelang. Roy Thyroff, eigentlich aus Oberfranken, unterbrach seinen Messeaufenthalt in Mailand, um über Solutions in Textile, 2-­ und 3-­dimensionale Textile Betonbewehrungen aus Glasfaser und Kohlefaser zu berichten. Damit kann Beton hervorragend saniert werden und in Neubauten sind schlankere Konstruktionen möglich. Wiebke Wehrmann kam aus München. Sie erklärte die Vorteile der Baubuche, deren Festigkeit zwischen 30 und 50% Materialersparnis ermöglichen. Günter Schimmer ebenfalls aus Bayern angereist, erläuterte die außerordentliche Schalldämmkapazität von sandgefüllten Kartonwaben- platten, low-tech par excellence. Peter Bucher ist ein Fieberbrunner und der letzte Dachplattenmacher. Die Innovation liegt hier im Erkennen alter Werte und deren nachhaltige Beständigkeit und das neue Erproben von vergessenen Techniken und Materialien wie z.B. des Romanzement. Joachim Schuster lebt in Frankfurt. Er zeigte mit der Oberfläche Fenix ein sogenanntes Smart Material. Kratzer können aus Fenix ganz einfach raus gebügelt werden. Gersthofen liegt in der Nähe von Augsburg. Matthias Lang, von Seele mit iconic skin, einem neuen Glasfassaden System für Industriebauten, lud das Publikum zum Gegenbesuch ein. Thomas Richner zeigte Organische LEDs, die jüngste Lichtgenereation. Der familiengeführte Betrieb der Richners, die RIBAG, liegt in der Schweiz, in Safenwil, zwischen Zürich und Bern.

 

Es war ein erfrischender, lehrreicher und inspirierender Abend, der bei Brötchen und Getränken vom Dorfcafe serviert gemütlich ausklang. Dank sei ausgesprochen an Herrn Bürgermeister Florian Kasseroler für die Kooperation, Michael Mäser für die Projektbetreuung, dem Ramschwagsaal Team um Ernst Zimmermann und Bruder Günter Bärnthaler für die technische Betreuung und Mama Agathe Bärnthaler für alle kleinen wichtigen Dinge im Hintergrund.

 

Der nächste Vortragsabend ist geplant für den 14. März 2016. Kurz davor wird Christine Bärnthaler ihre Sonderausstellung BETON vom 4.-­‐6. März auf der com:bau in Dornbirn zeigen dürfen, wo auch der Walgau eine Gruppenausstellung zeigt. Und zwischen den Terminen gehen sich für die Ausheimische hoffentlich ein paar erholsame Ski-­‐Tage zu Hause in Gurtis aus. Mehr über OFROOM und aktuelle Termine erfahren Sie auf www.ofroom.at oder auf Facebook www.facebook.com/ofroom.